{"id":1686,"date":"2021-08-14T18:56:32","date_gmt":"2021-08-14T16:56:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.circulum.de\/wordpress\/?p=1686"},"modified":"2021-08-14T19:06:05","modified_gmt":"2021-08-14T17:06:05","slug":"gedanken-zum-gedenktag-60-jahre-mauerbau-13-august-1961-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.circulum.de\/wordpress\/?p=1686","title":{"rendered":"Gedanken zum Gedenktag \u2013 60 Jahre Mauerbau (13. August 1961\/2021)"},"content":{"rendered":"\n<p>Liebe Vereinsmeier,<\/p>\n\n\n\n<p>wie vielen im Verein vielleicht bekannt ist, bin ich ein geborener Berliner, Baujahr 1968. Bis auf 2 \u00bd Jahre in der Jugend (Hamburg) habe ich meine Kindheit in Tempelhof &amp; Lankwitz verbracht. In einer eingemauerten Stadt zu leben, habe ich als Kind gar nicht so empfunden, da die Kreise von Kindern &amp; Jugendlichen sowieso eher auf den Wohnkiez beschr\u00e4nkt sind. Auch meine 2 \u00bd Jahre in Hamburg waren Mitte 2 bis Ende 4. Klasse auf den Stadtteil Rissen beschr\u00e4nkt. Eine Klassenfahrt ging dort auch nur auf die andere Seite der Elbe. Bewusster wurde mir das Thema erst durch meinen damaligen Sport. Ab ca. 12 Jahren war ich privilegiert im Jahr an 10 \u2013 15 Turnieren im Bundesgebiet oder sogar in Z\u00fcrich, Linz, Malm\u00f6 oder Prag teilzunehmen. Alle diese Turniere f\u00fchrten mich aus der Stadt hinaus. Als Westberliner also erstmal immer mindestens 250 km \u00fcber die Transitstreck nach Hof (S\u00fcden), Helmstedt (Westen) oder Hamburg (Norden). Dies bedeutete am Freitag nach der Schule\/Arbeit Sachen packen und ab ins Auto. Wenn es gut lief, dann hatte man am Kontrollpunkt Dreilinden nur eine kurze Wartezeit mit Passkontrolle, etc. und konnte sich dann mit 100 km\/h (blo\u00df nicht schneller, konnte teuer werde) auf den Weg Richtung Westdeutschland machen. Am Ende des Transitkorridors in Hof oder Helmstedt dann wieder Wartezeit, Passkontrolle, etc. Und nach dem Turnier am Sonntag dann die ganze Strecke wieder zur\u00fcck. Turnier f\u00fcr Turnier, Jahr f\u00fcr Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Was viele heute nicht mehr wissen, w\u00e4hrend Westdeutsche einfach in die DDR oder Ostberlin mit Ihrem Pass einreisen konnten, musste der Westberliner durch den 4-M\u00e4chte Status der Stadt immer einen gesonderten Einreiseantrag stellen, um z. B. nach Ostberlin zu fahren. Also schnell abends \u201emal r\u00fcber\u201c ging nicht, dies musste immer vorher beantragt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich \u00e4lter wurde \u00e4nderte sich erstmal nichts. Mit 16 Jahren begann ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Im Rahmen der Ausbildung wurde mit allen Azubis des Ausbildungsjahres ein sozial p\u00e4dagogischer Lehrgang auf dem L\u00e4mmerbuckel durchgef\u00fchrt. Neben I-Kaufleuten waren auch Handelsfachpacker bei diesem Lehrgang dabei. Was ich 1986 nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten habe, trat dann doch ein. Nach einer Vorstellungsrunde wurde die Berliner Azubis doch gefragt, ob wir aus Ost- oder Westberlin kommen w\u00fcrden. Als Berliner konnte ich diese Frage \u00fcberhaupt nicht nachvollziehen, weil f\u00fcr uns dies sonnenklar war. Nur Westberliner konnten einfach nach Schwaben reisen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Sowjetunion passierten dann Dinge wie Perestroika und Michael Gorbatschow \u00f6ffnete die UdSSR leicht Richtung Westen. Und Ronald Reagan hielt im Juni 1987 eine Rede am Brandenburger Tor. Ein Ausschnitt lautete \u201eGeneral Secretary Gorbachev, if you seek peace, if you seek prosperity for the Soviet Union and Eastern Europe, if you seek liberalization, come here to this gate. Mr. Gorbachev, open this gate. Mr. Gorbachev, tear down this wall!\u201d. Aber vorerst passierte weiterhin nichts. In Berlin kursierte zu der Zeit ein Witz: \u201eWann werden Ost und West (Deutschland) wiedervereinigt sein? Antwort: 2014 Nachfrage: Wieso 2014? Antwort: 2014 wird die DDR 65 Jahre alt und darf r\u00fcber.\u201c (DDR-B\u00fcrger im Rentenalter konnte viel einfacher aus der DDR ausreisen).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber mit der Zeit tat sich dann doch etwas, im Herbst 1989 kam es zu Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderen St\u00e4dten in der DDR. Mit dem Ruf \u201eWir sind das Volk\u201c meldeten sich Woche f\u00fcr Woche Hunderttausende DDR-B\u00fcrger im ganzen Land zu Wort und protestierten gegen die politischen Verh\u00e4ltnisse. Ziel war eine friedliche, demokratische Neuordnung, insbesondere das Ende der SED-Herrschaft, zudem wurden Reisefreiheit und die Abschaffung des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit gefordert. All dies gipfelte dann in einer schlecht vorbereiteten Pressekonferenz von G\u00fcnter Schabowski am 9. November 1989. Es sollte eine neue Reiseregelung in Kraft treten, die es DDR-B\u00fcrgern einfacher machen w\u00fcrde in die BRD oder nach Berlin-West zu reisen. Dies sollte mit Passkontrollen, etc. passieren. Und die Grenzorgane der DDR sollten vorher noch informiert werden. Eine G\u00fcltigkeit \u201eab sofort, unverz\u00fcglich\u201c wie sie in der Pressekonferenz benannt wurde, war nie geplant gewesen. Durch Infos aus dem Westfernsehen sowie Ger\u00fcchte in Ostberlin machten sich DDR-B\u00fcrger gleich am Abend auf dem Weg zu Grenz\u00fcbergangsstellen nach Westberlin. Als der Druck der anwesende B\u00fcrger zu gro\u00df wurde, \u00f6ffneten die Grenzbeamten einfach die Grenze. Dies war so nicht vorgesehen. Alles was dann passierte ist, ist heute Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selber erlebte \u201edie Wende\u201c am 10. November 1989 morgens vor dem Fernseher. Mit Bein im Gips konnte ich nicht viel mehr machen, als am Fernseher diese unglaublichen Vorg\u00e4nge mitzuerleben. Menschenmassen auf der Bornholmer Br\u00fccke, Trabis auf dem Ku-Damm. Wahnsinn. Ich war 21 Jahre alt, als die Mauer fiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute bin ich froh, dass ich als Berliner in einer 3,5 Millionenmetropole lebe und am Sonntag in die Rochstr. zum Training gehen kann, am Donnerstag nach Wedding oder am Samstag nach Steglitz. Ich liebe diese Stadt ohne Grenzen und das Multikulti aus vielen Nationen und aus \u201eOssis\u201c und \u201eWessis\u201c. Ich m\u00f6chte, dass so etwas nieder wieder passieren kann. Und ich m\u00f6chte, dass sich trotzdem alle immer daran erinnern, dass Berlin viele Jahre lang geteilt war und leider an manchen Stellen nur sehr langsam wieder zusammengewachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, das Jugendliche, Jungerwachsene oder Neuberliner sich auch mit diesem Teil der Berliner Geschichte besch\u00e4ftigen. Mit Ihrem Geburts- oder neuem Wohnort. Einen wichtigen Teil dieser Geschichte bringt einem die Gedenkst\u00e4tte Bernauer Stra\u00dfe n\u00e4her. <a href=\"https:\/\/berliner-mauer-gedenkstaette.de\/de\/\">https:\/\/berliner-mauer-gedenkstaette.de\/de\/<\/a> &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfen m\u00f6chte ich mit einem Link zum Wortlaut der Rede unseres Bundespr\u00e4sidenten zum 60. Jahrestages des Mauerbaus. <a href=\"https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Frank-Walter-Steinmeier\/Reden\/2021\/08\/210813-Gedenken-Mauerbau.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Frank-Walter-Steinmeier\/Reden\/2021\/08\/210813-Gedenken-Mauerbau.html<\/a><br><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Reden\/2021\/08\/210813-Gedenken-Mauerbau-Englisch.pdf;jsessionid=B35C9E0B7850D3A3B3D2166476877A86.2_cid392?__blob=publicationFile\" target=\"_blank\">&#8211;&gt; englisch<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen uns beim Training<br>Carsten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Vereinsmeier, wie vielen im Verein vielleicht bekannt ist, bin ich ein geborener Berliner, Baujahr 1968. Bis auf 2 \u00bd Jahre in der Jugend (Hamburg) habe ich meine Kindheit in Tempelhof &amp; Lankwitz verbracht. 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